Kunsthalle

The Circle
Walked Casually

28.11.2013 – 2.3.2014

  • Mit 132 Werken von 50 Künstlern eröffnet die Ausstellung „The Circle Walked Casually“ eine völlig neue Perspektive auf internationale Arbeiten auf Papier von der Moderne bis in die Gegenwart. „The Circle Walked Casually“ bildet den Auftakt zu einer Serie von Ausstellungen, die die Sammlung Deutsche Bank neu erfahrbar machen. Dabei werden die unterschiedlichsten Ausstellungskonzepte aufgegriffen, um die Geschichte der Sammlung zu erzählen. In regelmäßigem Turnus sind renommierte internationale Gastkuratoren eingeladen, in der Deutsche Bank KunstHalle thematische Ausstellungen in ungewöhnlichen und experimentellen Formaten zu realisieren, die den Blick auf noch unentdeckte Seiten der Sammlung eröffnen.

    Zu Beginn der Reihe wurde Victoria Noorthoorn eingeladen. Die argentinische Kuratorin fokussiert sich auf Zeichnungen und Drucke aus der Unternehmenssammlung. Gemeinsam mit der brasilianischen Ausstellungsarchitektin Daniela Thomas hat sie dafür eine innovative Präsentationsform entwickelt — einen offenen, schier grenzenlos wirkenden Raum, in dem die Bilder zu schweben scheinen. Zu sehen sind Werke der Klassischen Moderne von Joseph Albers, Hans Arp, Max Beckmann, Otto Dix, Wassily Kandinsky, Käthe Kollwitz, Oskar Schlemmer und Kurt Schwitters sowie Zeichnungen und Drucke von bedeutenden Künstlern der Nachkriegsära wie Georg Baselitz, Louise Bourgeois, John Cage, Joseph Beuys, Lucian Freud und Richard Buckminster Fuller.

    Im Fokus stehen darüber hinaus jedoch zeitgenössische Künstler aus der ganzen Welt, darunter Erick Beltrán, Marina De Caro, Marlene Dumas, Jiří Kolář, David Koloane, Laura Lima, Anna Maria Maiolino, Gerhard Richter, Kara Walker und Jakub Julian Ziółkowski. In ihrer Ausstellung geht es Victoria Noorthoorn nicht nur darum, zu zeigen, welche Vielfalt an Meisterwerken und Neuentdeckungen die Sammlung Deutsche Bank zu bieten hat: „The Circle Walked Casually“ folgt der Imagination von Künstlern rund um den Globus. Dabei entwickelt sich ein Diskurs über die Entstehung von Bildern, über ihre Kraft und soghafte Wirkung. Die Werke in der Ausstellung sind Teil einer imaginären Bildergeschichte, die sich durch den Dialog der Arbeiten untereinander entwickelt. Der Betrachter kann diesem Dialog wie einer gewundenen Linie durch den Raum folgen.

    Eine der vielen Anregungen zu „The Circle Walked Casually“ war die Kurzgeschichte „Genealogie“ des uruguayischen Autors Felisberto Hernández (1902–1964). In der Erzählung verlieben sich ein Kreis und ein Dreieck und reisen auf einer horizontalen Linie entlang. Diese Vorstellung einer imaginären Reise und einer Art persönlicher Beziehung, die sich zwischen den verschiedenen Werken der Ausstellung entwickelt, sind prägend für das Konzept. „Wie kann eine bloße Linie, die sich ungezwungen entwickelt und wächst, von unserer heutigen, menschlichen Existenz sprechen, von unserer Einsamkeit? Wie kann sie von unseren Selbstzweifeln, der Sehnsucht nach Liebe oder auch von den Wegen und Umwegen der Kunst sprechen, indem sie die Tür öffnet – für permanente Bewegung, Veränderung und gesellschaftlichen Wandel?“ Dies sind die Fragen, die Victoria Noorthoorn mit dieser Ausstellung beantworten möchte, die ganz auf eine Chronologie verzichtet und stattdessen der Dynamik der im Raum schwebenden Bilder vertraut.

    Der Kosmos, den Daniela Thomas und ihr Partner, der Architekt Felipe Tassara, für die Deutsche Bank KunstHalle entwickelten, wurde auch von der Ausstellungsinstallation inspiriert, die die berühmte Architektin Lina Bo Bardi in den 1950er-Jahren für das Museu de Arte de São Paulo entwarf. In der modernistischen, lichtdurchfluteten Halle des Museums brachte sie Dutzende von Gemälden mittels Glasstelen zum Schweben. Thomas‘ Konzept wurde aber auch von bahnbrechenden Ausstellungsexperimenten der Moderne angeregt. Dazu gehört die Schau „The First Papers of Surrealism“ 1942 in New York, für die Marcel Duchamp Fäden von hunderten Metern Länge wie ein Spinnennetz über Stellwände und Bilder spannte, so dass es kaum möglich war, sich darin zu bewegen. Aus diesen Vorbildern schuf Thomas für die Deutsche Bank KunstHalle ein zeitgemäßes, eigenständiges Statement: Die modulare Architektur, die allein durch die ausgestellten Werke und das Ausblenden des Raumes entsteht, lässt die Wahrnehmung von Entfernungen und Dimensionen ins Wanken geraten. In der Verbindung zwischen Imagination, körperlicher und intellektueller Erfahrung bietet „The Circle Walked Casually“ eine außergewöhnliche Perspektive auf die Geschichte einer der weltweit bedeutendsten Sammlungen für Arbeiten auf Papier nach 1945. Zugleich macht dieses Projekt die Zeichnung als das wohl fundamentalste Medium in der Gegenwartskunst mit allen Sinnen erlebbar.

    Zugleich reflektiert die Auswahl der Arbeiten für The Circle Walked Casually auch die Entwicklung der Sammlung Deutsche Bank. Ausgehend von Werken der Moderne und der deutschen Kunst nach 1945 werden seit Ende der 1970er-Jahre zukunftsweisende Arbeiten gesammelt, wobei der Fokus der letzten Dekade verstärkt auf der globalen Kunstszene liegt.

    Victoria Noorthoorn
    Kuratorin der Ausstellung
    Direktorin, Museo de Arte Moderno de Buenos Aires

    weiterlesen...

    Zur Ausstellungsarchitektur

    Die in São Paulo lebende Daniela Thomas gilt als eine der kreativsten Bühnenbildnerinnen und Ausstellungsdesignerinnen weltweit. Ihr Werk ist geprägt von der Nähe zur bildenden Kunst, besonders zum brasilianischen Neoconcretismo, der in den 1960er Jahren mit Künstlern wie Lygia Clark oder Hélio Oiticica geometrische Strenge mit sinnlicher Lust am Spiel, Subjektivität und Expressivität verband.

    Gemeinsam mit ihrem Mann, dem Architekten Felipe Tassara, hat Thomas in Brasilen, Europa und Asien unzählige Projekte realisiert, in denen sich Design, Inszenierung, Architektur und bildende Kunst zu einer völlig neuen Form des Ausstellungsdesigns verbinden.

    Für "The Circle Walked Casually" verwandeln Thomas und Tassara die Deutsche Bank KunstHalle in einen offenen, schier grenzenlos wirkenden Raum, in dem die Bilder zu schweben scheinen. Hier kann der Besucher die beiden Hauptmerkmale der Zeichnung – Fläche und Linie – nicht nur intellektuell, sondern auch physisch erleben, so als bewege er sich in dem abstrakten, leeren Weiß eines Blatt Papiers.

    Inspiriert ist die Architektur durch bahnbrechende Ausstellungsexperimente der Moderne. Dazu gehören die Schau “The First Papers of Surrealism” 1942 in New York oder die Ausstellungsinstallation, die die Architektin Lina Bo Bardi in den 1950ern für das Museu de Arte de São Paulo entwarf.

    In der Deutsche Bank KunstHalle formieren sich die an beinahe unsichtbaren Drähten schwebenden Bilder zu einer organischen Linie, die sich durch den Raum windet. Die einzelnen Zeichnungen bilden dabei Teile einer assoziativen Erzählung oder Konversation, die sich von Bild zu Bild fortsetzt. Thomas' Inszenierung hat etwas Surreales, Traumartiges und zugleich sehr Reduziertes. Sämtliche rechten Winkel der Halle werden abgerundet und wie die gesamte Ausstellungsarchitektur quasi zum Verschwinden gebracht. Fein austaxiertes Streulicht lässt den Raum fast schattenlos wirken. Nie berühren die Bilder die Wand, die Wahrnehmung von Entfernung und Räumlichkeit gerät ins Wanken.

    weiterlesen...

    Alle Fotos: Jürgen Spiler

    Galerie

    Gerhard Richter, NO.Z., 8.5.84, 1984, © Gerhard Richter 2013

    Katalog

    The Circle Walked Casually! ©DruckVerlag Kettler / Foto: Martin Url

    Programm Archiv

    Download